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Verbindung und Nähe

 

 Als ich am Mittwoch nach einer gefühlten Ewigkeit wieder die Yogaschule für den Unterricht aufgeschlossen habe, überfiel mich ein Gefühl der Unsicherheit: Wie würde es sein, Yogis auf der Matte und gleichzeitig am Bildschirm zu haben? Würde ich allen technischen Herausforderungen begegnen können? Wie würde es sich anfühlen, wieder mit anderen in einem Raum zu üben? Und wie würden sich die Yogis im Studio und zu Hause fühlen? Würde ich sie alle ins Boot holen können?

Über diesem Augenblick, auf den ich mich lange gefreute hatte, schwebten einige Fragezeichen.

Jedenfalls so lange, bis die ersten Yogis kamen – dann war alles klar. Auch wenn wir alle noch etwas unsicher und die Abläufe noch etwas ruckelnd waren (Maske auf, wie lange, wohin mit den Taschen?), war deutlich zu spüren, wie sehr wir alle die wieder unmittelbar erlebbare Gemeinschaft genossen haben. Eine Gemeinschaft, die ich auch schon in der Zeit des Zoom-Unterrichts wahrnehmen konnte, und die mich durch die Abstands- und Distanzzeit getragen hat. Eine Gemeinschaft, die auch über Glasfaserleitungen hinweg funktioniert, was an diesem Mittwoch sofort spürbar war.

Im Yoga nennt man diese Gemeinschaft „Kula“, ein Sanskritbegriff, der „Herzensgemeinschaft“ oder auch „Familie“ oder „Schwarm“ bedeutet. Das Besondere daran ist, dass wir freiwillig und gerne zusammenkommen, unsere Zeit und unsere Praxis miteinander teilen, eine positive Gruppenerfahrung machen und deshalb auf besondere Weise miteinander verbunden sind.

Ob das Zusammenkommen virtuell oder räumlich nah stattfindet, spielt dabei im Augenblick eine untergeordnete Rolle.  Jeder Yogi sollte sich die Form auswählen, mit der er oder sie sich wohl und sicher fühlt, denn nur so ist ein entspanntes und konzentriertes Üben möglich.

Und spätestens beim donnernden OM zum Abschluss gab es keinen Zweifel mehr: We all are one!